Der Druck von Außen

Er ist enorm. Kaum eine Mama kann sich diesem Druck entziehen oder ist Diesem in der ersten Zeit gewachsen. Wie soll das aber auch gehen?! Mamas sind gerade in dieser Phase ihres Lebens sehr angreifbar, wenn es um das eigene Kind geht.

 

Doch von wem kann dieser Druck kommen? Er kommt von überall. Jeder hat gute Tipps und Ratschläge. die unbedingt zu berücksichtigen sind, wenn eine Mama möchte dass es Ihrem Baby gut geht. Mit jedem Tipp wächst die Herausforderung ein Stückchen mehr an die neue Familie.

Es handelt sich bei den meisten Ratschlägen um eigene Erfahrungen, die auch unheimlich wichtig sind, denn so hat sich der Mensch die letzten Jahrtausende weiterentwickelt und nur so konnten wir überleben. In unserem natürlichen Umgang mit jungen Familien gab es jedoch vor einigen Jahren einen Einbruch. Dieser Einbruch entstand durch die Industrie und die Hygieneansichten der westlichen Länder. "Damals" wurde allen jungen Müttern ein ganz anderer Umgang mit den eigenen Babys vermittelt.  Wir müssen daran denken, diese Mamas sind die Omas von heute!

Was wurde damals vermittelt?

Die Kinder sind kurz nach der Entbindung in die Obhut der Kinderkrankenschwestern gekommen, ohne Kuschelzeit bei der Mama, dafür mit kurzem Blickkontakt.

Frische Mamas seien durch den Wochenfluss unrein und hygienisch bedenklich für das Neugeborene, sodass eine strickte Räumliche Trennung eingehalten werden musste.

Haben die Kinder geschrien, wurde der Schnuller oder die Flasche gegeben. "Schreien sei wichtig für die Stärkung der Lunge", hieß es damals. Auch um das Kind nicht zu verwöhnen lies man es im Bettchen liegen, wenn es geschrien hat.

Im Kinderzimmer wurden die Kinder komplett versorgt, das heißt: gebadet, gewickelt, gefüttert. Es wurde Tee, Glukose oder Ersatzmilch (Formulanahrung) gefüttert, entweder weil die Kinder schrien oder der angeblich notwendigen Flüssigkeitsversorgung wegen. Alle 4 Stunden wurde der Mutter das Kind für 15 Minuten zum Anlegen gebracht. Danach sofort wieder eingesammelt. War die Mutter in einigen Kliniken noch nicht gerichtet zum Stillen, wurden auch hier die Kinder sofort wieder mitgenommen und die frische Mama hatte nach weiteren 4 Stunden wieder die Möglichkeit ihr Baby für 15 Minuten in die Arme zunehmen und zu Stillen. Hatte das Baby in dieser Stillphase nicht ausreichend getrunken, wurde es wieder zugefüttert. Nachts wurde teilweise gänzlich auf das Stillen verzichtet, damit sich die Frauen ausruhen konnten.

Zusätzlich gab es Besuchszeiten, bei denen die Babys durch eine Glasscheibe angesehen werden konnten.

Väter durften gar nicht erst in den Kreißsaal hinein. War das Baby dann auf der Welt, wurde empfohlen stets ein frisch gewaschenes, gebügeltes und gestärktes Hemd anzuziehen, bevor sie ihr Kind in den Arm nehmen.

Am Tag 7 sind Mutter und Kind zusammen entlassen worden und die Mutter durfte ihr Kind (wenn es gut lief) das erste Mal unter Aufsicht der Kinderkrankenschwester umziehen.  

Natürlich sind die Rituale und Standards in den Kliniken leicht abweichend. Doch die Basis bleibt: Mutter und Kind wurden getrennt.

 

 

Was passierte also aus diesen Zusammenhängen?

Keine Mutter möchte eine Gefahr für ihr Kind sein und ihr Kind einem höheren Infektionsrisiko durch ihren Wochenfluss aussetzen. Daraufhin wurde nicht gebondet oder viel gekuschelt. Den frischen Mamas wurde gezeigt, sie sind nicht gut genug für ihr Baby, deshalb übernimmt das die Kinderkrankenschwester.

Natürlich mussten die Kinder mehr schreien, denn wie kann sich eine Schwester um so viele Babys gleichzeitig kümmern. Durch das häufige Schreien resignieren Babys. Wenn sie ja doch keiner erhört und sich nach einem der  wichtigsten Bedürfnisse, der Nähe, gekümmert wird. Somit wurde vermittelt, lass dein Baby schreien, sonst verwöhnst du es.

Zusätzliche Ersatzmilch, Glukose und Tee sowie spärliche Stillversuche ohne viel Unterstützung und auf ein Minimum beschränkt, lässt kaum eine Mama in die ausreichende Milchbildung kommen. Somit merken die Mütter sehr schnell, dass ihre Mamamilch zum Zeitpunkt der Entlassung nicht ausreicht und Stillen häufig nach einigen Tagen oder Wochen ab.

Väter hatten es in dieser Periode auch sehr schwer eine gute Bindung zu ihrem neugeborenen Baby aufzubauen. Da er jedes Mal neue Kleidung anlegen musste um sein Baby auf den Arm zu nehmen.  Ganz klar wurde vermittelt: Kinder sind Frauen Sache.

 

All das war keine böse Absicht. Nein, die Kinderärzte, Hebammen, Krankenschwestern und Kinderkrankenschwestern haben das mit bestem Wissen und Gewissen gemacht. Wissenschaftlich bestätigte Studien wurden zu der „guten“ Ersatznahrung dargelegt - ja sie wurde sogar richtig in den Vordergrund gestellt und für besser als Muttermilch gehießen. Auch die hygienischen Richtlinien in Bezug auf die Geburt und das Wochenbett waren sehr streng.

Die Omas von heute wissen es nicht besser. Sie haben es so gelernt, denn so wurde es ihnen vermittelt. Sie wollten genau wie die Mamas von heute das Beste für ihr Kind. Deshalb haben sie sich daran orientiert und es umgesetzt. Heute möchten sie ihr Wissen auch an ihre Töchter und Schwiegertöchter weitergeben. Genau hier entsteht der Konflikt. Mit Sätzen wie: „ Du bist auch groß geworden.“ Oder „Hat es dir geschadet?“ setzten sie Eltern unheimlich unter Druck. Dabei ist es in erster Linie eine Rechtfertigung der eigenen Handlung. Heute gibt es neuer Studien und einen aktuelleren Wissenstand wie vor 50 oder 25 Jahren. So vieles hat sich in den vergangen Jahren geändert und bei weitem sind auch heute noch nicht alle Fachkräfte so weit geschult, dass sie auf dem aktuellen Stand sind.

Omas sind eine tolle Unterstützung, doch setzten Sie die Bedingungen fest! Mit Sätzen wie: „Du bist doch auch groß geworden!“, oder „Hat es dir geschadet?!“, suchen die vorherigen Generationen nur eine Rechtfertigung. Lassen sie diese Sätze an Ihnen abprallen. Jetzt sind Sie Mama und Sie haben einen anderen Wissenstand.

 

 

 

Druck kommt aber noch von anderen Stellen. Von Freunden (egal ob mit eigenen Kinder oder ohne), Bekannten, Verwandten, Kinderkrankenschwestern, Hebammen oder Ärzten… Jederzeit kann man sich das alles anhören, aber man muss das nicht. Es ist wichtig für sich selbst zu wissen in welche Richtung man gehen möchte. Suchen Sie sich wertvolle Tipps heraus, die Sie umsetzen möchten. Es ist nicht immer einfach. Aber Sie schaffen das! Unterscheiden Sie, ob es fachliche Empfehlungen sind, die auf Wissen aufbauen oder eigene Erfahrungen. Auch in der Klinik gibt es Fachpersonal die aus Erfahrung eventuell auch aus Angst sprechen und Fachpersonal die ein Hintergrundwissen über die gegeben Situation mitbringen. Seien Sie hellhörig oder fragen Sie bei Unklarheiten nach.  Nehmen Sie sich ihren Partner stärkend zur Seite. Und eine fachliche Anvertraute oder eine andere Bezugsperson mit der Sie über all das Reden können was sie beschäftigt.

 

 

Sie sind Mama und Sie haben die Verantwortung für Ihr Baby und genau das ist auch der Grund, warum Sie für alles so empfänglich sind und sich über alles so viele Gedanken machen. Doch deshalb dürfen Sie Ihre Familie auch schützen und sich auf manche Gespräche und Diskussionen erst gar nicht einlassen.